SchakkelineJeder Zaun hat zwei SeitenSchakkeline
Brigitte Röde

    Martina Rahner

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    Jörg Schierwagen

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    Jeder Zaun hat zwei Seiten

    Es gibt ganz normale Menschen, die haben skurrile Hobbys. Und es gibt ganz skurrile Menschen, die haben normale Hobbys. Scheinbar normal ist das Sammeln von Münzen und Schallplatten, skurriler hingegen ist die Sammelleidenschaft von Glaskügelchen aus Füllerpatronen oder das Ablaufen von noch nicht eröffneten Autobahnen. Manchmal wird aus dem Hobby eine Leidenschaft oder sogar ein Beruf. Zäune in jedweder Form sind das Steckenpferd von Martina Rahner und Jörg Schierwagen – TASPO-GartenDesign war Zaungast bei den beiden:

     

    Als der Mensch in der Jungsteinzeit die Schwelle vom Jäger und Sammler zum sesshaften Ackerbauern überschritt, sein Nutzvieh domestizierte und das Land für den Anbau von Nahrungsmitteln urbar machte, hatten Zäune keine dekorativen, sondern einen lebensnotwendigen Charakter. (Die Kultur der Meder / Achämeniden schuf im 8.-6. Jahrhundert vor Christus aus der steppen- und wüstenähnlichen Einöden des Irans bezaubernd schöne Gärten mit komplexen Bewässerungsanlagen, die von einer Mauer umgeben waren und der Bevölkerung nicht zugänglich waren. Das altpersische Wort „pairi-dae-za“ bedeutet nichts anderes als Umzäunung oder Umwallung und wurde später zum Synonym für das „Dahinter“, Gottes Garten Eden, das Paradies.)

     

     

    Die gestalterische Komponente der Zäune habe sich im Laufe der Geschichte kaum verändert. So gibt es noch heute den Weidenzaun aus der Jungsteinzeit oder den Scherengitterzaun (Ursprung des Jägerzauns) aus der Antike, beziehungsweise die kunstvollen Metallzäune aus der Zeit der Industrialisierung, sagen Martina Rahner, Innenarchitektin aus Köln und Jörg Schierwagen, Inhaber einer Werbeagentur aus Düsseldorf. Über einen Wettbewerb haben sich die Beiden, die für unterschiedliche Zaunhersteller tätig waren, kennen gelernt. Aus dem Kennenlernen folgte schon bald eine berufliche Verbindung und die Erkenntnis, dass man für Zäune offensichtlich mehr Interesse und Enthusiasmus entwickelte als Andere. Als erstes gemeinsames Kind brachten Rahner und Schierwagen aktuell das Buch „Zäune, Mauern, Hecken“ zur Welt, Geburtshelfer war der Callwey Verlag.

     


    TASPO-GartenDesign: Was verstehen Sie unter dem Begriff Zaun?

     

    Rahner & Schierwagen: Die Frage, was „wir“ unter dem Begriff Zäune verstehen ist sehr berechtigt, denn es gibt in der Tat keine allgemeingültige Definition des Begriffes. Die Unterschiedlichkeiten in den Definitionen liegen einmal in der Aussage: Ein Zaun ist nur ein Zaun, wenn er am Grundstücksrand liegt und einen Besitz markiert oder aber in der Aussage: Ein Zaun besteht aus folgenden Materialien (Holz, Metall) damit er ein Zaun ist. Diese Definitionsansätze sind recht unpräzise. In unserem Buch benutzen wir den Begriff „Zaun“ umfassend. Ein Zaun markiert eine Grenze, diese Grenze kann sowohl innerhalb des Grundstückes, aber auch am Grundstücksrand liegen. Sie ist entweder optisch in Form von Pöller oder Blumenkästen oder physisch in Form von Metall, Holz, Stein, beziehungsweise aus natürlichen, lebendigen Materialien.

     

    TASPO-GartenDesign: Wie kommt man als Innenarchitektin/Werber auf die Idee, ein Buch über Zäune zu schreiben?

     

    Martina Rahner: Die Idee zu dem Buch entstand durch eine Ausstellung zur Geschichte der Zäune, die ich zusammen mit Melanie Eigenrauch für einen Schweizer Zaunhändler erstellt hat. Durch die Arbeit an diesem Projekt ist mir erstmal klar geworden, wie lange ich mich schon mit diesem Thema beschäftige und was für einen riesigen Fundus sich in den letzten 10 Jahren angesammelt hatte. Einmal mit diesem Thema infiziert habe ich meine Kunstgeschichtsprüfung über die Geschichte der Zäune geschrieben. Außerdem konnte ich plötzlich an keinen schönen Zaun mehr vorbei gehen ohne ein Foto zu schießen – sehr zum Leid von meiner Familie und Freunden.

     

     

    Jörg Schierwagen: Bei mir wurde sowohl durch das private als auch berufliche Umfeld das Interesse an Architektur und Design geprägt. Während meiner langjährigen Tätigkeit als Geschäftsführer eines mittelständischen Herstellers, der unter anderem Zäune produziert, wurde mir bei Erschließung des amerikanischen Marktes erst richtig bewusst,

     

     

    dass Zäune Produkte sind, die aus ästhetischem und gestalterischem Blickwinkel mehr Beachtung finden sollten. Das war der Grundstein für die Idee, sich über die Vermarktung von Zäunen Gedanken zu machen.

     

     

    Rahner & Schierwagen: Mit der Entwicklung eines Vermarktungskonzepts für Zäune haben wir die gestalterischen Sichtweisen mit vertrieblichen Betrachtungsweisen von Zäunen verbunden. In dieser intensiven Zeit haben wir zusammen sämtliche Zaunhersteller in Europa und sogar bis nach Amerika analysiert und strukturiert. Der Fokus lag darin, die Zäune aus dem Blickwinkel der Käufer zu betrachten. Wir wollten einen nützlichen Vorfilter für die Geschmacksrichtung der Kunden bilden. Dabei war es uns besonders wichtig, sich nicht nur auf ein Material oder einen Stil zu versteifen, sondern einen wirklich gut sortierten Überblick über die Möglichkeiten von Zäunen, Mauern und Hecken zu geben. Unsere Kategorien sind somit nicht nach Materialien, sondern nach Typen gegliedert: Inszenierte Klarheit, Natürliche Harmonie, Ornamentale Pracht. Diese drei Kategorien haben die Gemeinsamkeit, dass die Herleitung des passenden Zauns sich aus der Architektur von Haus/Garten entwickelt. In der letzen und auch sehr spannenden Kategorie widmen wir uns der „kreativen Vielfalt“ hierbei wird der Zaun zum gestalterischen Einzelelement und zu einem Kunstwerk.  

     

    TASPO-GartenDesign: Unter welchen Gesichtspunkten guckt sich ein Innenarchitekt/ Werber einen Garten an?


    Martina Rahner: Auf alle Fälle sehr unbefangen und mit einer großen Begeisterung!


    Jörg Schierwagen: Aus Blickwinkel des Werbers gibt es eine riesige Anzahl ungenutzter Flächen für Botschaften, eventuell auch Werbebotschaften. An erster Stelle jedoch die Möglichkeiten, die sich für einen neuen Zaun, Mauer, Hecke bei jeder Grundstücksituation ergibt.

     

    Das Ganze Interview mit uns können Sie hier auch bequem als PDF herunterladen.